Logistik kann nach wie vor statistisch als weißer Fleck bezeichnet werden. Weder wird sie als Wirtschaftszweig in der amtlichen Statistik geführt, noch gibt es ausreichend Studien und Untersuchungen, die die Logistik aus betrieblicher oder gesamtwirtschaftlicher Sicht quantitativ erfassen. Schwierigkeiten ergeben sich vor allem durch den Querschnittscharakter der Branche: So fallen nicht nur in Unternehmen der Logistikdienstleistungswirtschaft logistische Tätigkeiten an, sondern auch in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen.

In Baden-Württemberg arbeiten rund 335.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Logistik, an der Gesamtbeschäftigung macht das einen Anteil von 7,9% aus. Angestellt sind diese Beschäftigten sowohl bei Logistikdienstleistern als auch im Handel und der Industrie. Wie auch in Gesamtdeutschland zählt die Logistik in Baden-Württemberg zu einer der Wachstumsbranchen, allein in den letzten zehn Jahren ist ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen um 16 % zu verzeichnen. In Summe repräsentiert das Land Baden-Württemberg 13,5% aller sozialversicherungspflichtigen Logistikbeschäftigten in Deutschland.

Das sind einige der Ergebnisse der Studie »Logistikbeschäftigung in Deutschland – Vermessung, Bedeutung und Struktur« der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS, in welcher eine Methode entwickelt wurde, die Logistikbeschäftigten ganzheitlich zu erfassen, d. h. nicht nur die Beschäftigten des Wirtschaftsabschnittes »Verkehr und Lagerei«, sondern auch diejenigen Beschäftigten, die Logistiktätigkeiten in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen nachgehen.

Die Methode zur ganzheitlichen Erfassung der Logistikbeschäftigung beruht auf einer der umfangreichsten Datenbasen in Deutschland – der Statistik der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Deutschland. Durch die Bewertung des Logistikinhalts der ausgeübten Tätigkeiten der einzelnen Berufe wird in einem ersten Schritt die logistikrelevante Beschäftigung aus der Statistik extrahiert. In einem zweiten Schritt wird die ausgeführte Tätigkeit in allen Wirtschaftsabschnitten untersucht. Das Ergebnis dieser Berechnung sind logistikspezifische Anteile der relevanten Berufe, mithilfe derer letztendlich alle Beschäftigten in der Logistik branchenübergreifend erfasst werden können.

Die Messung der Beschäftigung erfolgt dabei auf der feinräumigen Ebene der Stadt- und Landkreise und ermöglicht damit Strukturanalysen und detaillierte Regionalvergleiche, die einen wertvollen Beitrag bei regionalpolitischen Entscheidungen und der zielgerichteten Standortentwicklung leisten können.

So weist in Baden-Württemberg mit einem Anteil von 28 % (deutschlandweit sind es 20 %) die Industrie eine überdurchschnittliche Stellung als Arbeitgeber der Logistikbeschäftigten auf (siehe Abbildung 1), u. a. zeigt sich eine hohe Beschäftigungsnachfrage durch den Maschinenbau und den Automobilsektor. Dies lässt den Rückschluss auf eine vergleichsweise geringe Outsourcing-Quote zu, d. h. vergleichsweise viele Logistikleistungen erfolgen bei den Verladern noch in Eigenregie. Im Falle des Maschinenbaus liegt dies insbesondere an der Komplexität der Produkte und damit verbunden einem geringen Standardisierungsgrad, was eine Auslagerung an Kontraktlogistikdienstleister erschwert.

 

Abb2_Branchenstruktur

Auch über die Berufsstruktur können strukturelle Aussagen zu einzelnen Regionen getroffen werden: Im Vergleich zu ganz Deutschland ist in Baden-Württemberg mit die höchste Bedeutung logistischer Tätigkeiten im Lager- und Umschlagsbereich zu erkennen: 56% der sozialversicherungspflichtigen Logistikbeschäftigten sind mit Aufgaben der Lagerung und des Umschlags unterschiedlichster Güter und Waren betraut – im deutschlandweiten Durchschnitt sind es 53% (siehe Abbildung 2). Damit ist der Anteil wertschöpfungsintensiver Logistiktätigkeiten in Baden-Württemberg vergleichsweise hoch einzuschätzen, da hierunter neben reinen Umschlagstätigkeiten auch höherwertige Tätigkeiten im Kontraktlogistikbereich, wie beispielsweise die Vormontage von Modulen im Produktionsprozess, fallen.

Abb1_Berufsstruktur

Weitere Informationen zur Studie und Bestellmöglichkeiten erhalten Sie unter: www.scs.fraunhofer.de

»Logistikbeschäftigung in Deutschland – Vermessung, Bedeutung und Struktur«
Verlag: Fraunhofer Verlag, Stuttgart
Erscheinungstermin: Juni 2015
ISBN: 978-3-8396-0888-3
Kosten: 79 Euro
Sprache: Deutsch
Geb. Ausgabe: ca. 100 Seiten, davon 16 Seiten detaillierte Bundeslandprofile

Autoren: Annemarie Kübler, Stefan Distel, Uwe Veres-Homm

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